Rachel O’Reilly
INFRACTIONS
2019, 63m

Ein horizontales Bild und ein vertikales Bild sind nebeneinander angeordnet. Das horizontale Bild auf der linken Seite zeigt eine trockene Wüstenlandschaft. Im Vordergrund ist das Armaturenbrett eines Autos zu erkennen sowie ein Rückspiegel, von dem klobige Perlen hängen. Im Hintergrund sind trockene Schlammflächen, Gestrüpp und Büsche sowie ein wolkenloser blauer Himmel zu sehen. Auf dem vertikalen Bild auf der rechten Seite hält eine brown-skinned Hand ein Smartphone. Der rechte Zeigefinger zeigt auf ein Bild auf dem Smartphone-Bildschirm, das ein topografisches Satellitenbild einer trockenen Landschaft mit einem wasserlosen Flussbett abbildet.

INFRACTIONS ist ein künstlerischer Dokumentarfilm im Dialog mit den Kämpfen Indigener Kulturschaffender gegen die Bedrohung von mehr als 50% des australischen Northern Territory durch Schiefergas-Fracking. Während das Land zum weltweit führenden Exporteur von erderwärmenden fossilen Brennstoffen wird und Asien und die EU planen, die Importe von Schiefergas zu erhöhen, hat sich der Druck auf diese Region verstärkt und bedroht die hart erkämpften Landrechte und Homelands der Aboriginal People.

Seit dem neunzehnten Jahrhundert wurde versucht, koloniale Pläne zur „Erschließung des Nordens“ Australiens wieder aufleben zu lassen, aber ebenso so schnell wurden diese Pläne verworfen, da sie auf Phantasmen aufbauten, die wenig mit dem tatsächlichen Verhalten der monsunalen Wüstenwassersysteme zu tun hatten. Mit der Aufhebung eines staatlichen Moratoriums im Jahr 2018 versuchen britische, US-amerikanische und einheimische Bergbauunternehmen, giftige Bohrgeräte über riesige unterirdische Wasserläufe zu rollen, die für die Indigenen Menschen wichtige Verbindungsorte von Kultur, Recht und Nahrung sind.

INFRACTIONS widerlegt kapitalistische und koloniale Modelle von Land und Wasser auf dem trockensten Kontinent der Erde und zeigt den Musiker/Gemeinschaftsführer Dimakarri ‚Ray‘ Dixon (Mudburra); den Maler/Gemeinschaftsführer Jack Green, der ebenfalls Gewinner des Peter Rawlinson Conservation Award 2015 ist (Garawa, Gudanji); den Musiker/Gemeinschaftsführer Gadrian Hoosan (Garrwa, Yanyuwa); Ranger Robert O’Keefe (Wambaya), die Erzieherinnen Juliri Ingra und Neola Savage (Gooreng Gooreng); Gemeindearbeiterin und Jurastudentin Que Kenny (Western Arrarnta); Musikerin Cassie Williams (Western Arrarnta); die Sandridge Band; und Professorin Irene Watson (Tanganekald, Meintangk Bunganditj), die am Entwurf der UN-Erklärung über die Rechte Indigener Völker (1990-1994) mitgearbeitet hat.

Die Kamera von INFRACTIONS verbindet rechtlich unvereinbare Geografien, die Geschichte der Rohstoffindustrie und der Arbeiterschaft mit dem anhaltenden Bewegung des Widerstandes Indigener. Sie dokumentiert Verteidiger der Kultur und des Wassers, die vor Geschichten fabrizierten Konsenses warnen, und die Indigene Rechtstheoretikerin Irene Watson erklärt die Grenzen des westlichen internationalen Rechtssystems für planetarisches Überleben und Gerechtigkeit.

Regie/Recherche/Kamera/Ton: Rachel O’Reilly; Produzent:in: Mason Leaver-Yap; Schnitt/Visuelle Recherche: Sebastian Bodirsky; Kamera: Tibor Hegedis, Colleen Raven (Nharla Photography); Sound Mastering: Jochen Jezussek; Map Visuals: Valle Medina, Benjamin Reynolds (Pa.LaC.E); Untertitel: Katharina Habibi.

 

Über die Künstlerin

Rachel O’Reilly ist Künstlerin, Schriftstellerin/Poetin, Kuratorin und Doktorandin am Goldsmiths‘ Centre for Research Architecture. Sie unterrichtet das Theorieseminar ‚At the Limits of the Writerly‘ über Planetarität, politische Ökonomie und Poetik am Dutch Art Institute. Zuvor war sie Kuratorin an der Australian Cinematheque in der Gallery of Modern Art | Australian Cinematheque, Brisbane, und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Jan van Eyck Academy. Ihre künstlerischen Arbeiten und Forschungen wurden international präsentiert, zuletzt im Van Abbemuseum, Eindhoven; E-flux, New York; und UNSW Galleries, Sydney. Zu ihren jüngsten kuratorischen Kooperationen gehören Ex-Embassy mit Sonja Hornung und Planetary Records: Performing Justice between Art and Law mit Natasha Ginwala. Sie ist Co-Autorin von On Neutrality mit Jelena Vesic und Vlidi Jeric für die Reihe Non-Aligned Modernisms (MCA, Belgrad), veröffentlicht mit Danny Butt über künstlerische Autonomie im kolonialen Raum der Siedler und ist derzeit Co-Herausgeberin von Feminist Takes on Black Wave Film mit Antonia Majaca und Jelena Vesic für Sternberg Press. www.rachel-oreilly.net

Gespräche und Podcasts

Im Rahmen der internationalen Screening Tour von INFRACTIONS führte Rachel O’Reilly zahlreiche Gespräche mit Künstler:innen, Indigenen Pädagog:innen, Gemeindebetreuer:innen und Organisator:innen, die sich gegen die unkonventionelle Gasförderung einsetzen. Die Aufnahmen dieser Gespräche wurden an verschiedenen Orten aufgezeichnet und online verbreitet. Eine Auswahl ist im Folgenden enthalten, weitere sind auf der offiziellen Website zum Film zu finden.

Gespräch: Post-Screening Q&A mit Que Kenny und Rachel O’Reilly, 24. November 2019

Moderiert von Mason Leaver-Yap im Babylon Kino, Berlin.

Gespräch: Podiumsdiskussion mit Rachel O’Reilly, Anthony Faramelli, Sarah Keenan, Que Kenny und Olivier Marboeuf, 4. Dezember 2019

Moderiert von Steven Cairns im Institute of Contemporary Art, London.

Gespräch: Cultural Work Across Fracking Frontlines, 7. November 2020

Mit Roxanne Highfold, Que Kenny und Rachel O’Reilly bei Watch This Space (Alice Springs/Mparntwe).

Mehr Informationen unter IMA.org.au.

Gespräch: Art in an Age of Gas Destruction, 15. Oktober 2020

Mit Que Kenny, Phillip Marrii Winzer, Vernon Ah Kee und Rachel O’Reilly. Moderiert von Warraba Weatherall im Institute of Modern Art.

Mehr Informationen unter IMA.org.au.

Gespräch: Arts of the Frontline, 30. November 2020
Mit Juliri Ingra, Dan Robins, Neola Savage und Rachel O’Reilly im Institute of Modern Art.

Mehr Informationen unter IMA.org.au.

Online Gespräch: Art, Mine Power and the Cultural Work of Climate Justice, 17. März 2021

Mit Tony Birch, Helen Hughes und Rachel O’Reilly bei Monash University Museum of Art.

Mehr über diese Arbeit lesen

The Gas Imaginary [website via Or Gallery, Vancouver]

Essay: Rachel O’Reilly, ‚Dematerializations of the Land/Water Object‚, e-flux Journal, April 2018.

Rezension: Kieran Finnane, ‚Fighting not just to survive, but to flourish‚, Alice Springs News, Dezember 2020.

Rezension: Ben Gook, ‘Fracking for Truth in Northern Australia’, Goethe Institut, Dezember 2019.

 

Partner:innen

Rachel O’Reillys INFRACTIONS ist eine Ko-Produktion der Julia Stoschek Collection und des Outset Contemporary Art Fund zur Unterstützung der KW Production Series, mit zusätzlicher Unterstützung des Australia Council und des Museum Abteiberg.

INFRACTIONS feierte seine Premiere im Babylon Kino Berlin und wurde anschließend im Institute of Contemporary Arts London gezeigt, jeweils mit einem Begleitprogramm mit Que Kenny (Western Arrarnta) im November 2019.

Eine anschließende Wanderausstellung von INFRACTIONS wurde vom Institute of Modern Art Brisbane organisiert mit öffentlichen Programmen, die von der Regierung von Queensland durch Arts Queensland unterstützt wurden. Zu den Ausstellungsorten gehören: IMA, Brisbane (Australische Premiere); Watch This Space, Alice Springs; Darwin Community Arts, Darwin; UNSW, Sydney; MUMA, Melbourne; und GRAGM, Gladstone.